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Einweihung der Energiezentrale im Pfaff-Quartier 12. Mai 2026

Das vom Bundeswirtschafts- und Bundesforschungsministerium geförderte Leuchtturmprojekt EnStadt:Pfaff hat von 2017 bis 2025 die Entwicklung des Pfaff-Quartiers zum klimaneutralen Quartier intensiv begleitet. Unter anderem wurde eine Energiezentrale erstellt mit einer Heizzentrale für das Niedertemperaturwärmenetz und einem Laborraum zur Erforschung des bidirektionalen Ladens von Elektrofahrzeugen. Der kubische Bau steht am Eingang des Pfaff-Quartiers und zeichnet sich durch eine innovative Photovoltaikfassade mit roter Farbbeschichtung aus.

Am 12. Mai 2026 wurde die Energiezentrale im Rahmen einer Veranstaltung mit etwa 60 Gästen eingeweiht. Teilgenommen haben vom Stadtvorstand der Stadt Kaiserslautern der Bürgermeister Manfred Schulz, die Beigeordnete Anja Pfeiffer und der Beigeordnete Manuel Steinbrenner. Dabei waren weitere Vertreter der Stadtverwaltung sowie mehrere Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Fraktionen des Stadtrats, die die Entwicklung des Pfaff-Quartiers und des Vorhabens EnStadt:Pfaff in den vergangenen Jahren aktiv begleitet haben. Vertreten waren auch die Pfaff Entwicklungsgesellschaft und die Stadtwerke SWK sowie das Planungsbüro RBS wave, das die Energiezentrale entworfen und die Baubetreuung inne hatte. Dabei waren die Projektpartner aus dem EnStadt:Pfaff Konsortium sowie weitere Akteure, die die Umsetzung der Energiezentrale unterstützt haben.

Ablauf der Vortragsveranstaltung

Der Beigeordnete der Stadt Kaiserslautern, Manuel Steinbrenner, der u.a. für die Themen Stadtplanung, Bauordnung, Tiefbau und Umweltschutz zuständig ist, begrüßte die Anwesenden. Er verwies auf die große Bedeutung der Entwicklung des Pfaff-Quartiers für die Stadt Kaiserslautern und die positiven Impulse, die das Projekt EnStadt:Pfaff in den letzten Jahren für eine zukunftsweisende Ausrichtung des Quartiers gegeben hat.

Dr.-Ing. Stefan Krengel, der Leiter Energieeffizienz für Quartiere vom Projektträger Jülich (PTJ) begrüßte im Namen der Fördermittelgeber. Das Projekt EnStadt:Pfaff war vom Oktober 2017 bis Dezember 2025 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE, früher BMWK) und dem Bundesforschungsministerium (BMFTR, früher BMBF) mit etwa 24 Mio Euro als Leuchtturmprojekt gefördert worden. Herr Krengel betonte die Bedeutung von Reallabor-Projekten, bei denen Wissenschaft und Praxis zusammenarbeiten mit dem Ziel, die wissenschaftlichen Ergebnisse in die praktische Umsetzung zu bringen. Auch im aktuellen 8. Energieforschungsprogramm wird auf den großen Forschungsbedarf zu Quartieren hingewiesen und gibt es einen Förderschwerpunkt zu Quartieren.

Prof. Dr. Peter Schossig, der am KIT in Karlsruhe die Professur “Technologien für klimagerechte Gebäude und Quartiere” innehat und Direktor des Bereichs Wärme und Gebäude am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE ist, hielt einen Impulsvortrag zur “Bedeutung innovativer Quartiersprojekte für die Energiewende”. Er wies darauf hin, dass das Fraunhofer ISE bereit bereits im Jahr 1992 demonstriert hat, dass ein energieautarkes Haus möglich ist. Allerdings ist es nicht sinnvoll, dass Gebäude und Quartiere autark werden, Ziel müsse sein, die vorhandenen erneuerbaren Energien möglichst umfangreich zu nutzen, darüber hinaus aber in der Energieversorgung intelligent mit anderen Gebäuden und Quartieren zusammenzuarbeiten. Bei der Energiewende ist die Vernetzung der Schlüssel und Strom ist der Energieträger der Zukunft. Ganzheitliche und sektorenübergreifende Ansätze sind in Quartiersprojekten essentiell, wie sie im EnStadt:Pfaff Projekt umgesetzt wurden.

Bettina Dech-Pschorn, die Leiterin des Referats Umweltschutz der Stadt Kaiserslautern und Projektleiterin von EnStadt:Pfaff, stellte das Pfaff-Quartier und die Eckpunkte des Leuchtturm-Vorhabens EnStadt:Pfaff vor. Im Jahr 2017 wurde der städtebauliche Rahmenplan des Pfaff-Quartiers verabschiedet, nachdem im Jahr 2015 die Stadt den Großteil des Geländes der ehemaligen Nähmaschinenfabrik Pfaff erworben hatte. EnStadt:Pfaff begleitete aktiv die Erstellung des Bebauungsplans, der im Jahr 2020 verabschiedet wurde und die Sanierung von mehreren Gebäuden, in denen im Rahmen von EnStadt:Pfaff innovative Technologien demonstriert wurden. Weiter wurde die Energiezentrale im Projekt mit Fördermitteln erbaut. In ihrem Beitrag erläuterte sie “Das Projekt EnStadt:Pfaff und seine Bedeutung für die Stadt Kaiserslautern”.

Jürgen Storck, Bereichsleiter Asset Management der SWK Stadtwerke Kaiserslautern stellte die “Umsetzung klimaneutraler Energieversorgungen in Quartieren” aus Sicht eines Stadtwerks vor. Die SWK war ein wichtiger Parnter bei der Entwicklung des Nahwärmekonzeptes im Pfaff-Quartier. Ursprünglich sollte das Quartier mit industrieller Abwärme versorgt werden, da sich dies als nicht praktikabel herausgestellt hatte, wird nun von der SWK ein Niedertemperatur-Wärmenetz gebaut, das aus dem Rücklauf der städtischen Fernwärme versorgt wird. Die notwendigen Pumpen und Übergabestationen sind in der Heizzentrale in der Energiezentrale eingebaut.

Gerhard Stryi-Hipp, der wissenschaftliche Leiter EnStadt:Pfaff vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg stellte im Folgenden “Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Projekt EnStadt:Pfaff” vor. Von den insgesamt 38 Themenfelder, die in EnStadt:Pfaff bearbeitet wurden, wurden 9 Themen beispielhaft mit jeweils den federführendenden Projektpartnern vorgestellt.

Untersucht wurde, welche Rolle Solarenergie zur klimaneutralen Stromerzeugung im Pfaff-Quartier beitragen kann. Thomas Anton vom Institut IfaS der Hochschule Trier erläuterte, dass in dem dicht bebauten Gebiet eine Vollversorgung mit Solarenergie nicht möglich ist. Um das vorhandene Solarpotenzial aber vollständig auszuschöpfen wurde im Bebauungsplan die Verpflichtung verankert, sowohl Gründächer als auch PV-Anlagen auf alle Neubauten zu installieren. Die Simulationsrechnungen zeigen, dass so etwa 37 % des Strombedarfs mit PV-Anlagen im Quartier erzeugt werden kann.

Die Wärmeversorgung erfolgt im Wesentlichen aus dem Rücklauf der städtischen Fernwärme und wird über ein Niedertemperaturnetz ins Quartier verteilt. Somit ist es auch möglich, die Abwärme einer Kältemaschine, die sich auf der Energiezentrale befindet, in das Wärmenetz einzuspeisen. David Reichling von der SWK erläuterte, dass eine weitere Abkühlung des Rücklaufs den Wirkungsgrad im Kraftwerk etwas erhöht und dass das Niedertemperaturnetz auch andere Einspeiser von Abwärme im Quartier ermöglicht, beispielsweise aus Solarwärme oder weiteren Kältemaschinen.

An der Energiezentrale werden an der Fassade innovative Photovoltaikmodule mit sogenannten MorphoColor®-Beschichtung demonstriert. Die Module sind rot schimmernd und weisen trotz der Farbigkeit einen hohen Wirkungsgrad auf. Dr. Frank Ensslen vom Fraunhofer ISE erläuterte die Vorteile beim Einsatz von Solarstrommodulen in der Fassade. Da hierbei verschiedene Gewerke zusammen arbeiten müssen, sit allerdings die Umsetzung noch eine Herausforderung. Deshalb ist es wichtig, an Beispielen wie der Energiezentrale zu zeigen, dass PV-Fassaden ein attraktives Gestaltungselement sind und sich der höhere Abstimmungsaufwand lohnt.

Im Quartier wurde das alte Verwaltungsgebäude und das neue Verwaltungsgebäude energetisch hochwertig saniert, so dass im neuen Verwaltungsgebäude der KfW 70 Standard erreicht wurde, obwohl es unter Denkmalschutz steht und keine Außendämmung möglich war. Das alte Verwaltungsgebäude erhielt eine gute Wärmedämmung und erreicht KfW 40 bzw. 55. Christian Persohn vom Ingenieurbüro IG-CP erläuterte, dass detaillierte Planungen und auf das Objekt angepasste Lösungen z.B. bei Einsatz von Innendämmung notwendig sind. Weitere innovative Lösungen wurden im Bereich der fensterintegrierten Verschattung und Belüftung der Gebäude demonstriert.

Das Pfaff-Quartier ist als autoarmes Quartier konzipiert auf Basis eines im Projekt entwickelten Mobilitätskonzeptes. Michael Müller vom Institut IfaS der Hochschule Trier erläuterte, wie durch die Stellplatzsatzung die Zahl der Fahrzeuge im Quartier reduziert wird. Die Bauträger sparen Kosten und müssen einen Teil als Ablöse an die Stadt bezahlen. Dadurch lassen sich zusätzliche Mobilitätsangebote wie z.B. Mobilitätsstationen finanzieren, die im Quartier geplant sind.

Digitale Lösungen sind im Bereich der Planung und zum Betrieb von nachhaltigen Quartieren, sie ermöglichen aber auch Dienstleistungen für die Bewohnerinnen und Bewohner eines Quartiers. Dr. Frank Elberzhager vom Fraunhofer IESE stellte die in EnStadt:Pfaff entwickelten digitalen Dienstleistungsangebote vor. Beispielsweise wurde eine Kommunikationsplattform entwickelt, die künftig den Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren und das Miteinander unterstützt.

EnStadt:Pfaff hat den Prozess der Bebauungsplanerstellung von Anfang an mit begleitet und konnte einige Impulse für eine nachhaltige Ausrichtung einbringen. Beispielsweise wurden die Solarpflicht, die Stellplatzsatzung und das Leitbild für das Quartier entwickelt, die mit dem Bebauungsplan verabschiedet wurden. Elke Franzreb, die Leiterin des Referats Stadtentwicklung schilderte, dass die Anforderungen durch die klimaneutrale Ausrichtung des Quartiers, die EnStadt:Pfaff verfolgt hat, einen zusätzlichen Aufwand dargestellt haben, dass sich dadurch aber auch die Qualität des Bebauungsplans verbessert hat.

Zukunftsfähige Quartiere müssen so konzipiert werden, dass die künftig erwarteten Bedarfe befriedigt werden. Prof. Rolo Fütterer von der Hochschule Kaiserslautern erläuterte, welche künftigen Anforderungen an die Quartiere im Rahmen des Projektes ermittelt wurden und wie darauf reagiert werden kann.

Damit Projektentwicklungen für klimaneutrale Quartier erfolgreich umgesetzt werden, bedarf es einer Projektsteuerung, die mit den Herausforderungen umgehen kann sowie einer aktiven Beteiligung von Expertinnen und Experten wie von der Bevölkerung. Dr. Sebastian Gölz vom Fraunhofer ISE hat die Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Projektsteuerung erläutert, die er in EnStadt:Pfaff untersucht hat.

Zum Abschluss wurde noch auf die Umfangreiche Dokumentation über die Ergebnisse und Erkenntnisse des Projektes verwiesen, die in den Schlussberichten dokumentiert sind.

Im Anschluss an die Veranstaltung bestand die Möglichkeit, die Energiezentrale und die demonstrierten Innovationen an den anderen Gebäuden zu besichtigen.