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Leitfaden Sanierung denkmalgeschützter Gebäude

Denkmalgerechte Sanierung am Beispiel eines Verwaltungsgebäudes der frühen Nachkriegsmoderne

Der Leitfaden informiert über die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die technischen Optionen einer denkmalgerechten Sanierung der Gebäudehülle und der Anlagentechnik und zeigt die praktische Umsetzung am Beispiel eines denkmalgeschützten Bürogebäudes aus der frühen Nachkriegsmoderne im Pfaff-Quartier in Kaiserslautern auf.

Beschreibung

In Deutschland gibt es ca. 650.000 Baudenkmäler aus sämtlichen Epochen. Eines davon ist das sogenannte Neue Verwaltungsgebäude der ehemaligen Pfaff Nähmaschinenfabrik in Kaiserslautern. Die denkmalgerechte Sanierung fand von 2019 bis 2024 statt und wurde vom Leuchtturmprojekt EnStadt:Pfaff aktiv begleitet. Dabei wurde auch ein Leitfaden für denkmalgerechte Sanierung erstellt, der das Vorgehen am Beispiel des Neuen Verwaltungsgebäudes, das zu einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) umgebaut wurde, erläutert.

Beim beschriebenen Gebäude handelt es sich um ein Bürogebäude der frühen Nachkriegsmoderne, das in Betonskelettbauweise mit Klinkerfassade und durchgehenden Glasfronten von Fritz Seeberger entworfen und von 1955 bis 1958 errichtet wurde. Für diesen Gebäudetyp sind kaum Beispiele von energetischen Sanierungen dokumentiert, weshalb das IfaS einen digitalen Leitfaden als Onlineplattform erstellte, der die allgemeinen theoretischen Rahmenbedingungen mit einem praktischen Beispiel verknüpft.

Ein Energie- und Sanierungskonzept wurde im Rahmen von EnStadt:Pfaff erstellt, mit dem das Ziel des „KfW-Effizienzhaus 70“ - Standards erreicht wurde. Die Eigentümergemeinschaft hat die Sanierungsmaßnahmen umgesetzt und so ein herausragendes Beispiel für die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude geschaffen.

Entscheidend für das energetisch sehr gute Ergebnis sind
1. die Kompaktheit des Baukörpers durch die Überdachung des Innenhofes und
2. die hocheffizienten  Holzintegralfenster mit 4 Scheibenverglasung mit Sonnenschutz im ersten Scheibenzwischenraum, die 40% der Fassadenfläche betragen.

Die Wärmeversorgung erfolgt durch die städtische Fernwärme, die Stromversorgung im Rahmen einer Kundenanlage nach § 3 Nr. 65 EnWG, die durch ein gemeinsames Stromnetz mit dem benachbarten Parkhaus mit Büro-Kopfbau und einer großen PV-Anlage auf dem Dach gebildet wird. Die Kundenanlage ist mit einem regelbaren Ortsnetztransformator (rONT) an das Mittelspannungsnetz angeschlossen.

Die Dachaufbauten und die Innendämmung sind in Holzbauweise errichtet bzw. holzfaserbasiert ausgeführt, was die Umwelteinflüsse der verwendeten Baustoffe minimiert. Ein weiteres Innovationselement bilden Klimadecken aus Graphitelementen, die durch eine größere Oberflächenbeschaffenheit eine um 20 % geringer Kühlleistung ermöglichen.

Zusätzlich zur Betrachtung der technischen Sanierungsmaßnahmen und deren Wirkung auf den Primärenergiebedarf und die CO2eq-Bilanz des Gebäudes, wurden weitere Umweltindikatoren der verwendeten Baustoffe und Gebäudekomponenten in einer Lebenszyklusanalyse bestimmt und die Ergebnisse im Leitfaden Denkmalschutz dargelegt und erläutert. Hiermit wird die Brücke geschlagen hinsichtlich der Ausrichtung zum zirkulären Bauen generell. Denn die Erhaltung von Gebäuden im Kontext des Denkmalschutzes als auch die ökologische Sanierung der Bauteile und die Versorgung der Objekte auf Basis von Fernwärme bzw. erneuerbarer Energien sind die wesentlichen Pfeiler zukunftsgerichteter Handlungsweisen in der Gebäudesanierung.

Daten und Fakten

Beispiel: Neues Verwaltungsgebäude des ehemaligen Pfaff-Werkes

Eckpunkte der denkmalgerechten Sanierung der Gebäudehülle

  • 4-fach verglaste Holz-Integralfenster mit innenliegender Jalousien zwischen 1. und 2. Glasscheibe, Ug-Wert: 0,74 W/(m²K)

  • Wandinnendämmung mit 6 cm Holzfaserdämmplatten, U-Wert der Wand nach Sanierung: 0,45 W/(m²K), Verbesserung um 64 % (1,27 W/(m²K) zuvor)

  • Gebäude mit vier Flügeln, durch Überdachung des Innenhofs wurde das A/Ve-Verhältnis (Verhältnis der Außenfläche des Gebäudes zum beheizten Volumen) von 0,31 auf 0,22 um 29 % gesenkt.

  • Alle Dächer wurden energetisch saniert, U-Wert: 0,11 W/(m²K)

Ergebnisse

Der Leitfaden bietet praxisnahe Informationen für alle Akteure, die an der energetischen Sanierung von Gebäuden des Denkmalschutzes beteiligt sind und diese denkmalgerecht erhalten und zukunftsfähig sanieren wollen.

Mit der Sanierung des neuen Verwaltungsgebäudes im Pfaff-Quartier, dem Bau des Architekten Seeberger aus dem Jahr 1958 steht ein vorbildlich saniertes Bürogebäude aus der frühen Nachkriegsmoderne als selten dokumentiertes praxisnahes Beispiel zur Verfügung.

Die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude weist eine erhöhte Komplexität in der Planung auf. Die Erläuterungen der rechtlichen Rahmenbedingungen im Leitfaden geben den Investierenden und Planenden einen wichtigen Einblick in die zugrunde liegenden Regeln.

Mit der Einführung der Lebenszyklusbetrachtung von Baustoffen und Bauwerken gibt der Leitfaden Einblicke in das Thema zirkuläres Wirtschaften und Bauen, das von zunehmender Bedeutung ist.

Erkenntnisse

  • Durch eine umfassende Sanierung, eine gründliche Planung und die Nutzung innovativer Lösungen lässt sich auch bei einem denkmalgeschützten Bürogebäude ein hervorragender Effizienzwert von KfW-70 erreichen. Die Zusammenarbeit aller Beteiligter und aller Gewerke ist die Voraussetzung für den Erfolg.

  • Hochwertige Fensteranlagen sind gerade in denkmalgeschützten Bürobauten eine entscheidende Komponente der energetischen Sanierung, da sie nicht nur die Optik des historischen Gebäudes prägen und einen wichtigen Beitrag zur Wärmedämmung leisten, sondern auch weil eine effiziente Verschattung der Fenster eine Voraussetzung für ein angenehmes Raumklima ist und die Kühllasten reduziert. Jalousien im äußeren Scheibenzwischenraum verringern die benötigte Kühlleistung um ca. 40 % gegenüber einer Innenverschattung.

  • Durch eine große Photovoltaik-Anlage auf dem Nachbargebäude verbunden mit einem gemeinsamen Stromnetz der beiden Gebäude kann auch im denkmalgeschützten Gebäude ein relevanter Anteil des Strombedarfs klimaneutral vor Ort erzeugt werden.

Links

Für die Entwicklung klimaneutraler Quartiere ist die energetische Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden eine besondere Herausforderung. Unser Leitfaden bietet Eigentümern, Architekten, Planern und umsetzenden Unternehmen Hilfestellungen und weiterführende Informationen.
Thomas Anton

Autoren: Thomas Anton, Bernd Junge, Tim Buchhorn, Emanuel Altmeier (IfaS)